EINER VON VIELEN .... Yousif aus Eritrea

 

 

Die dramatische Flucht des gelernten Meeresbiologen und Lehrers ist eine von vielen in unserer Zeit, doch sie hat uns so erschüttert, dass wir sie auch Menschen mitteilen möchten,
die vielleicht noch nie die Hintergründe einer solchen Situation gehört haben.

Nur“ drei Monate dauerte seine Flucht. Im Gegensatz zu Anderen, die manchmal bis zu 3 Jahre brauchen, eine geringe Zeit. Doch diese Zeit wird er wohl niemals vergessen.

Zwei gelernte Berufe, ein gutes Zuhause, liebevolle Eltern – all das setzte er aufs Spiel, als er zum Militär sollte und die Frage „WARUM“ stellte.

Ohne sie beantwortet zu bekommen, wurde er ins Gefängnis gesteckt.

Hoffnungslos, ohne jede Aussicht auf Entlassung entschied er sich zur Flucht nach Deutschland. Zur Flucht aus einem Land, in dem es für ihn keine Zukunft,
keine Gerechtigkeit und kein Leben mehr gab….einer Flucht aus seiner Heimat.

Mit ca. 80 – 100 Menschen auf einem kleinen Transporter floh er durch die Wüste. Etliche Menschen überleben diese Fahrt nicht.

Es gab kaum etwa zu essen. Die Flüchtlinge teilten sich einen Kanister mit Wasser, welches mit Benzin gemischt war.
Jeder trank immer nur einen winzigen Schluck, um sich nicht zu vergiften.

Angst, Hunger, Durst und Einsamkeit quälten ihn jeden Tag.

Seine Familie, die er ohne Abschied zurücklassen musste, wusste bis vor kurzem noch nicht einmal, ob er noch am Leben ist. Ob sie sich jemals wiedersehen, ist ungewiss.

Ein Jahr und drei Monate ist es jetzt her, doch die Bilder in seinem Kopf sind immer noch nicht verblasst.

Er wartet, während er die deutsche Sprache lernt, auf seinen Bescheid – darf er in Deutschland bleiben oder muss er zurück – dorthin, wo ihm bestimmt die Todesstrafe droht.

Das ist die Geschichte von Yousif aus Eritrea. Auch die Geschichte von Sülejman, einem Mediendesigner aus Syrien mit bereits guten Deutschkenntnissen, und Motas,
einem Jurastudenten, der kurz vor Beendigung seines Studiums aus Syrien fliehen musste, haben uns nachdenklich gestimmt.
Diese drei Flüchtlinge haben uns in der Oberschule am Airport Schönefeld besucht, um uns zu erzählen, wie es ihnen ergangen ist. Alle 7. und 8. Klassen ahmen an diesem Projekt teil.

Wir können uns nicht vorstellen, wie es ist, allein, in einem fremden Land mit der Ungewissheit zu leben, wie es weitergeht…ob es weitergeht.
Unsere Familie zu vermissen, sie wahrscheinlich niemals wiederzusehen, Angst zu haben, dorthin zurück zu müssen, wo wir aus Ungerechtigkeit und Macht getötet werden könnten.

Wir wünschen uns, dass wir alle lernen, mehr Verständnis und Mitgefühl aufzubringen, nicht alle „über einen Kamm zu scheren“
und vielleicht durch dieses Beispiel wieder mehr zu schätzen wissen, wie gut es uns geht.

Im Unterricht haben wir viel über die Hintergründe und die Flucht der Menschen gesprochen, haben uns Dokumentationen angesehen und eine Ausstellung im Schulhaus gestaltet.
Deutschland schaut hin – wir auch!

Emily Kalinowski und Cheyenne Borchert, Klasse 8.1 (Oktober 2015)